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BlogPost

Donnerstag, 24. September 2015

Heute am Pranger *** Das Deutsche Fernsehen geht fremd... (Lieli-Oberwil/AG)



»Grüne Wiese statt Flüchtlingsheim«: 

Ein Schweizer Dorf kauft sich frei

Markus Mähler

Wir befinden uns im Jahre 2015 n. Chr. Ganz Europa nimmt Flüchtlinge auf. Ganz Europa? Nein. Ein von unbeugsamen Schweizern bevölkertes Dorf macht da nicht mit und zahlt lieber 290 000 Franken Strafe. Skandal! Findet auch die ARD und reist mit einem Kamerateam zum wohl asylfeindlichsten Bürgermeister Europas. Der »Dunkel«-Schweizer landet am Pranger, dabei sind nicht alle seiner Aussagen dumm. Gerade die sind bei derARD wohl der Zensurschere zum Opfer gefallen.


In Oberwil-Lieli zeigt sich die Schweiz von ihrer »Schokoladen«-Seite: reich, sauber und frei von Flüchtlingen. Daniel Hechler steht im wohl asylfeindlichsten Dorf Europas und setzt vor malerischer Kulisse eine finstere Miene auf. Für die Kamera läuft der Reporter des ARD-Morgenmagazinssofort zur Höchstform auf. Eben noch erschüttert, schon belehrt er nur Sekunden später die deutschen Zuschauer daheim: »Solche Ansichten, die bei uns als rechtsradikal gelten würden, sind hier salonfähig. Oberwil-Lieli ist letztlich ein eher dunkler Fleck der Schweiz, der mit der humanitären Tradition der Schweiz so gar nichts zu tun haben will.«
Wie hat es diese kleine 2000-Seelen-Gemeinde im Schweizer Kanton Aargau bis an den großen Pranger der ARD geschafft? Natürlich mit dem Thema Flüchtlinge – oder besser gesagt: ganz ohne. Oberwil-Lieli weigert sich hartnäckig, acht Flüchtlinge aufzunehmen. Lieber zahlt der BürgermeisterAndreas Glarner 290 000 Franken Strafe an den Kanton, das sind 270 000 Euro.

Flüchtlings-Politik mit der Planierraupe: »Grüne Wiese statt Flüchtlingsheim«

Reporter Hechler stellt Glarner als kaltherzigen, »millionenschweren«Unternehmer vor, der ein weltfremdes, borniertes Wohlstands-Paradies regiert. Passend dazu schiebt Hechler dem Schweizer ein paar brisante Worte in den Mund: »Hier ist die Welt noch in Ordnung, da ist kein Platz für Asylbewerber. Meint jedenfalls der Bürgermeister der Gemeinde und erhält dafür erstaunlich viel Zuspruch.«

Endlich darf Flüchtlings-Feind Glarner im Beitrag selbst zu Wort kommen – da drückt ihm der Reporter schon die Moral-Pistole auf die Brust: »Was sagen Sie zu einer Familie, die amGrenzzaun steht. Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern. Die verzweifelt ist und bittet, Einlass nach Europa zu bekommen, um dort Schutz zu erhalten?«

Glarners Reaktion fällt erstaunlich trocken aus: »Dass sie die Reise vergebens gemacht hat.« Der Reporter hakt nach: »Was sollen sie machen?« Glarner: »Umkehren. […] Das sind potenzielle Sozialhilfe-Bezieher. Die werden uns immer und ewig auf der Tasche liegen.«

Glarner: Gaga-Bürgermeister oder heimlicher Held der Deutschen?

Fertig ist der Flüchtlingsschreck. Die nächsten Bilder im Beitrag des Morgenmagazins zeigen einen planierten Kiesplatz. Dort stand bis vor drei Jahren ein nicht vermietetes Zweifamilienhaus. Jetzt hätten dort Flüchtlinge einziehen können, aber Glarner wusste das präventiv zu verhindern, klärt der ARD-Reporter die Zuschauer auf: Der herzlose Bürgermeister »ließ [das Haus] kurzerhand abreißen. Das hat er schon mehrfach hier im Dorf angeordnet – und er würde es jederzeit wieder machen. Grüne Wiese statt Flüchtlingsheim.«
Zu Hause wundert sich Deutschland am Fernsehschirm über den Schweizer Gaga-Bürgermeister oder klatscht (heimlich) Beifall für einen Helden, der lieber Taten als Worte sprechen lässt – je nach Geschmack. Die Medienwahrheit im ARD-Beitrag ist aber stark verzerrt.
Glarner ist nicht verrückt, auch wenn ihn der öffentlich-rechtliche Staatsfunk so darstellen will. Reporter Hechler hat offenbar einige ganz wesentliche Aussagen des Bürgermeisters aus dem Filmmaterial herausgeschnitten.

Was die ARD wohl herausgeschnitten hat…

Der Politiker ist Fraktionspräsident der Schweizer Volkspartei (SVP) im Kanton Aargau. Er äußerte sich über den ARD-Beitrag im Onlinemagazin Watson so: »Das ist ein Bericht eines ultralinken Journalisten, der nur zum Ziel hatte, mich als herzlosen Bürgermeister darzustellen.«Er habe noch viel mehr gesagt. Etwa, dass man vor Ort Hilfe leisten müsse.
Unter den Asylbewerbern seien auch viele Wirtschaftsflüchtlinge. Wenn wir jeden aufnehmen würden, der in einer Diktatur lebt, müssten wir 70 Prozent der Weltbevölkerung aufnehmen, so Glarner. Zu seiner Aussage, dass Flüchtlinge potenzielle Sozialfälle sind, steht er weiter. Weil es sich ganz überwiegend um Analphabeten handele, die kommen.

»Schein-Asylanten, Sozial-Schmarotzer«: Glarner kann es noch deutlicher

Auf seiner Webseite wird der Politiker sogar noch deutlicher:»Integration ist eine Frage der Menge. […] Religiöse Fanatiker, Schein-Asylanten, Sozial-Schmarotzer und Ähnliches haben in der Schweiz jedoch nichts zu suchen.«

Natürlich sind nicht alle Flüchtlinge automatisch Schein-Asylanten. Man darf auch nicht alles für bare Münze nehmen, was Glarner herausposaunt. Er ist ein Politiker auf Stimmfang, aber: DieARD nimmt es mit der Ausgewogenheit und Meinungsvielfalt selbst nicht so genau. Sie erschafft mit Glarner wieder mal ein Feindbild – mitten in ihrer einseitigen Alle-müssen-den-Flüchtlingen-helfen-Kampagne.

Das Feindbild in der Medien-Kampagne für Flüchtlinge

Beweis gefällig? Dafür genügt bereits ein Blick auf die Webseite des Morgenmagazins. Es gibt dort kaum einen Tweet, der nicht für das positive Bild von Flüchtlingen in Deutschland wirbt: »Auf der Flucht geboren: Die kleine Lean in Kölns Notunterkunft ist 15 Tage alt«,»Frühstück für 900 Menschen«, »Fordert umfangreiches Hilfspaket für Flüchtlinge«.
Das gleiche freundliche Bild bei den Video-Beiträgen»Flüchtlinge in Deutschland: Miteinander«, »Leben in der Notunterkunft«, »Private Hilfe für Flüchtlinge: Infos für Hilfswillige«, »Damaskus: Vom Leben im Bürgerkrieg«.

Mit Neutralität hat das nichts mehr zu tun – eher mit Kampagnen-Journalismus. Noch vor einem Jahr wäre dieser Ausnahmezustand undenkbar gewesen. Das ARD-Morgenmagazin arbeitet inzwischen mit Propaganda-Kniffen: Wo das Helle ist, muss natürlich auch Schatten sein – Feinde wie Glarner –, denn nur dann kommt das Licht besonders strahlend zur Geltung. Das Risiko dabei ist natürlich, dass ein Bad-Boy wie Glarner am Ende eher zum heimlichen Star der genervten Zuschauer wird.

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