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BlogPost

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Alle meine Sklaven *** Was wir heute mit Sklaverei zu tun haben




Alle meine Sklaven
Über das, was wir heute mit Sklaverei zu tun haben


Religion ist das, was die Armen davon abhält, die Reichen umzubringen.
Napoleon I., Kaiser der Franzosen, 1769-1821


Angeregt durch einen Artikel über die Initiative "Made in a free world", in dem es im Wesentlichen darum ging, wie viel wir Konsumenten in den entwickelten Industrieländern – selbst bei ganz normaler Lebensführung – mit der sog. modernen Sklaverei zu tun haben, führte ich einen Selbsttest durch. 

Auf der Seite http://slaveryfootprint.org findet man einen sog. „Sklavenrechner“ der Initiative "Made in a free World", der zeigt, wie unsere Konsumgüter immer auch Zwangsarbeit und wirtschaftliche Ausbeutung von Menschen zur Folge haben. 

Für mich und meine Familie arbeiten demnach ca. 50 Sklaven weltweit!


Natürlich darf man sich bei dem Begriff Sklaverei nicht mehr die schlimmen Bilder der geschundenen Schwarzen auf den Plantagen der Südstaaten der USA vorstellen – die Zustände heutzutage sind oft viel schlimmer! Die Organisation „Anti-Slavery International“ schätzt, dass heute etwa 27 Millionen Menschen in Sklaverei und sklavereiähnlichen Bedingungen leben. 

Die häufigste Form der heutigen Sklaverei ist die Schuldknechtschaft und Kinderarbeit (hierzu siehe auch meine Artikel „Komm, wir spielen Schicksal - Über Ausbeutung von Kindern“ hier auf dieser Plattform), aber zunehmend auch andere, noch schlimmere Formen der Kinderarbeit; z. B. Kinderprostitution oder Kinderhandel.

Allerdings kommen die sog. traditionellen Formen der Sklaverei auch heute noch vor; vor allem in Mauretanien, Niger und im Sudan. Aber lt. http://www.antislavery.org überwiegen andere Formen der menschenverachtenden Geschäfte, z.B. Menschenhandel, Zwangsarbeit und Zwangsprostitution

So werden nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO (mit Sitz in Genf) weltweit 21 Millionen Menschen unter Missachtung ihrer Grundrechte als moderne Arbeitssklaven ausgebeutet – besonders im Bergbau, in der Landwirtschaft, im Haushalt, im Baugewerbe, in Fabriken und der Unterhaltungsindustrie.

Heutzutage soll es mehr Sklaven auf der Welt geben als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Frauen und Mädchen, nämlich 11,4 Millionen. Mehr als ein Viertel der Betroffenen sind noch Kinder. Oft ist die Zwangsarbeit auch mit sexueller Ausbeutung verbunden – in etwa 4,5 Millionen Fällen. 

Hilfsorganisationen schätzen die Zahl der Zwangsarbeiter weltweit sogar weit höher auf 35 Millionen. Durch Zwangsarbeit und kommerzielle sexuelle Ausbeutung werden nach UN-Angaben weltweit Profite in Höhe von jährlich 150 Milliarden Dollar erzielt.

Die Sklaverei ist heute weltweit geächtet und durch zahlreiche Gesetze verboten. Doch gleichzeitig, wie schon gesagt, blüht der weltweite Sklavenhandel wie nie zuvor in der Geschichte. Die totale Ausbeutung von Menschen als bloßes Material kennt keine Grenzen, nur eben die Erscheinungsformen haben sich geändert. 

Und wir alle profitieren davon. Auch wenn die moderne Sklaverei anders ausschaut, so ist das Kernmerkmal jeder Sklaverei bis heute gleich geblieben: Es ist die absolute Herrschaft von Menschen über Menschen. Sklaven sind absolut rechtlos. Für sie gelten keine Menschenrechte. Der Sklave ist alleiniges Eigentum eines anderen Menschen. 

Ein Ding, eine Ware, die illegal verkauft, verschenkt, vererbt und verpfändet werden kann. Jede Sklaverei ist daher Ausdruck von absoluter Knechtschaft.


Erzwungen durch Macht und Gewalt kann diese Knechtschaft Folge von Kriegen sein, von Rassismus oder simpler verbrecherischer Bereicherung. Die moderne Form der Sklaverei ähnlicher Ausbeutung heißt Zwangsarbeit. Für totalitäre Systeme (z.B. China oder Nord-Korea) ist sie ein Mittel zur Machtdemonstration und Vernichtung des Gegners. 

Der Unterschied zwischen Sklaverei und Zwangsarbeit: Es gibt keinen Besitztitel und deshalb ist auch niemand haftbar. Zwangsarbeit ist heute eine rechtliche Grauzone und tritt nur selten ins Bewusstsein – etwa dann, wenn die Medien darüber berichten; wie z.B. Kevin Bales, Soziologe und Aktivist der ältesten Menschenrechtsorganisation der Welt, „Anti-Slavery International“, in seinem Buch „Die neue Sklaverei“. 

Der Artikel beruht auf dem 3Sat-Beitrag "Moderne Sklaverei" und einer Kolumne von Gerd Scrobel:


Bales sagt, dass die heutige Sklaverei schlimmer sei als damals, weil eines ihrer Merkmale darin bestünde, dass die Sklaven heutzutage zur Wegwerfware werden und entsorgt werden, sobald der Sklavenhalter sie nicht mehr ausbeuten kann. Früher mussten die Sklavenhalter in den amerikanischen Südstaaten bis zu 100.000 Dollar für einen Sklaven bezahlen. 

Der Sklaventreiber hatte somit ein starkes Motiv seine Sklaven so lange es irgend ging am Leben zu erhalten. Heute sind die Preise lächerlich gering. Schon für 20 Dollar kann ein Sklavenhalter einen Arbeiter versklaven. Es rechnet sich also wirklich nicht, ihn zu nähren oder zu pflegen, wenn er keinen Nutzen mehr bringt oder wenn er krank wird.
Verantwortlich für solches Tun sind sehr oft Transnationale Konzerne (z.B. Computer-, Bekleidungs- oder auch Agrarindustrie), die in einer wirtschaftlich eng verflochtenen Weltwirtschaft sehr mächtig sind. 

Mit dieser Macht (direkt) oder mit dem Mittel der Korruption (indirekt) nehmen die Sklavenhalter Einfluss auf die staatliche Gewalt und lassen sich von ihr schützen. Bales betont, dass die heutigen Sklavenhalter alle Vorteile des Eigentums genießen, ohne seine Verpflichtungen zu haben; so lautet der Art. 14 Abs.2 der Deutschen Verfassung: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ 

Tatsächlich ist es für die Sklavenhalter ein Vorteil, dass sie keine legalen Eigentumsrechte haben, denn sie üben uneingeschränkte Kontrolle aus, ohne für ihren Besitz im Geringsten verantwortlich zu sein.

Auch der Art. 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention verbietet Sklaverei und das nationale Strafrecht der Mitgliedsländer stellt Sklaverei unter Strafe, aber eine aktive Strafverfolgung für alle Formen der Sklaverei existiert nicht. Auch Deutschland sieht sich der harschen Kritik von Menschenrechtsorganisationen ausgesetzt. 

Opfer von Arbeitsausbeutungen und Zwangsprostitution werden abgeschoben, wenn sie Hilfe bei Behörden suchen, denn der deutsche Rechtsstaat fühlt sich nicht zuständig. Die Übermittlungspflicht der Arbeitsgerichte gegenüber Ausländerbehörden verhindert den Opferschutz und Abschiebung ist neben Gewalt das entscheidende Druckmittel der Täter.

Ganz ähnlich agieren die USA. Die USA verabschiedeten bereits unter Bill Clinton ein Gesetz, das Ländern, die nicht aktiv gegen Sklaverei vorgehen, mit Sanktionen drohte. Angeprangert wurden aber nur politisch unliebsame Regierungen. Sanktionen gegen Japan, das nichts gegen die rund 120.000 Sexsklavinnen im Land unternimmt oder die Vereinigten Arabischen Emirate, die als strategischer Partner zählen, wurden abgelehnt. 

Politische Interessen haben meist Vorrang. Offensichtlich können wir uns auf diese Politik nicht verlassen und wir mitmenschlich denkenden Zeitgenossen müssen ihr etwas andere entgegensetzen. Wir? Warum wir?

Nun, wie ich oben feststellte, haben wir hier im zivilisierten Westen einen nicht geringen Anteil an diesen Zuständen. Zum einen sitzen hier transnational operierende Konzerne, die Zweigunternehmen in den ärmsten Ländern gründen und ihre Produktion dahin verlagern; Subunternehmer in den Entwicklungsländern sorgten dann für Menschenmaterial, mit dem billigst produziert werden kann und um die Aktionäre mit hohen Dividenden zu erfreuen. 

Zum anderen kaufen wir als Kunden dieser Konzerne die billig produzierte Ware und machen so erst den Profit aus der Sklaverei möglich. Meine Antwort auf die Frage was wir langfristig tun können ist immer dieselbe: Kämpft für mehr eigenes Einkommen (damit man nicht mehr nur Billigware kaufen kann), boykottiert ihre Sklavenarbeit (damit es für sie unrentabel wird Menschen wie Vieh zu halten) und beschränkt die Macht der Konzerne und ihrer willfährigen politischen Helfer in den Regierungen.

Kurzfriste Lösungen gibt es nicht, da es für den Endverbraucher sehr schwer ist festzustellen, ob das, was er als Dienstleistungen in Anspruch nimmt oder Produkte, die er kauft, im Zusammenhang mit Menschenhandel oder Arbeitsausbeutung stehen. 

Wer sicher gehen will, dass Produkte die er kauft, nicht aus sklavereiähnlichen Produktionsverhältnissen stammen, kann sich auf Waren beschränken, die zum Beispiel mit dem Fairtrade-Label ausgezeichnet sind. Sie sind meist nur geringfügig teurer und strafen die Ausrede der Handelsketten, die Rohstoff- und Warenströme seien nicht kontrollierbar, Lügen. 

Eine Welt ohne Sklaverei würde unseren Wohlstand auch nicht unbezahlbar machen.

Wilfried John
Tiefenbach, den 31.12.2014

Literatur zum Thema:

Die neue Sklaverei
Kevin Bales
Verlag: Kunstmann 2001
ISBN-13: 978-3888972645

Lydia Cacho
"Sklaverei: Im Inneren des Milliardengeschäfts Menschenhandel"
Verlag: S. Fischer 2011
ISBN-13: 978-3100100108

Mary Kreutzer und Corinna Milborn
"Ware Frau" Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa
Verlag: Ecowin 2008




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